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SEKUNDÄRINFORMATION

BIOTECHNOLOGIE
Vor der Fusion mit der Maschine das Auslaufmodell Mensch: Die Geschichten werden immer fantastischer, je mehr die Bioforscher sie selbst erfinden, emsig assistiert von den Poeten des Feuilletons. Die großen Erzählungen sind erledigt, passé. An ihre Stelle treten nun die Wissenschaftserzählungen, die in den Labors oder den virtuellen Wirklichkeiten der Computerfreaks generiert werden: Jeden Tag eine sensationelle Entdeckung. Ein Neuropathologe schwärmt von embryonalen Stammzellen: Sie seien nicht nur unbegrenzt vermehrbar, sondern haben auch noch die Fähigkeit, sich in jeden x-beliebigen Zelltypus zu entwickeln.
Lauscht man dem medialen Rauschen in Bezug auf Biomedizin und Informationstechnologie, hat man den Eindruck eines gewaltigen Wettlaufs, eines Wettrüstens, das dem Prinzip selbstregulierender, unbegrenzter Erweiterbarkeit folgt. Statt „natürlicher“ Reproduktion gilt nun Replikation; statt eines komplizierten Organismus terrorisiert uns der genetische Code; statt des Individuums herrscht der Klon, geniale geistige Anstrengung wird ersetzt durch künstliche Intelligenz, Lohnarbeit durch Robotik.
Interessant ist, daß die von den Computerspezialisten vorgeführten Generierungstechniken dem selben Prinzip folgen wie dem der Biotechnologen: Es geht um Zerlegung natürlicher oder künstlicher Materie in kleinste Einzelteile und ihrer nachfolgenden Rekombination. Zerlegung und künstliche Neuzusammensetzung – man kann das in der Medizingeschichte wie einen roten Faden verfolgen: Von der Anatomie und der Leichensektion über die traditionelle Transplantationsmedizin bis zur heutigen Biomedizin. Wobei das neu entstehende Artefakt dazu ausersehen ist, sich zu verselbständigen und den Menschen als Auslaufmodell vorzuführen.„Designer-Babys“ frei von Krankheit und Behinderung. Die Gentherapie suggeriert die gentechnisch unterstützte Früherkennung von Krankheiten, ohne tatsächlich Therapien bereitstellen zu können, die molekulare Altersforschung wirbt mit einem Ewigkeitsgen; die Xeno-Forschung offeriert „Organspenderschweine“; die Genfoodindustrie proklamiert das Ende des Welthungers und vieles mehr.
Ob düster oder euphorisch: Einig ist man sich in den Wissenschaftsenklaven darüber, daß eine Entwicklung, in der die Maschine sich ihr eigenes Bewußtsein und ihre Evolution schafft, unausweichlich ist.
Wobei der Mensch nicht ersetzt wird sondern Mensch und Maschine miteinander verschmelzen. Diese fantasierte Überschreitung der Gattungsgrenzen – ein uraltes Menschheitsprojekt – hat mit der Ersetzungs- und Rekombinationstechnik eine neue Möglichkeitsform erreicht und setzt der Vorstellung darüber, was den Menschen zum Menschen macht, einer tiefgreifenden Irritation aus.
Künstliche Menschen
Das Thema des künstlichen Menschen erscheint bereits im Altertum. Automatenmenschen, belebte Statuen bei Daidalos, riesenhafte Figuren aus Eisen bei Hephaistos und natürlich Menschen aus Ton von Prometheus.
Das Mittelalter weist eine bedeutende Zahl an lebendig scheinenden Statuen und Automaten auf. 999 soll Gerbert von Aurillac einen sprechenden Kopf hergestellt haben, ein weiterer Kopf wird dem französischen Mönch Roger Bacon im 13. Jahrhundert zugeschrieben – er geriet in den Verdacht, mit dem Teufel zu paktieren.
Albertus Magnus, Dominikanermönch und einer der bedeutendsten Gelehrten des 13. Jahrhundert besaß einen eisernen Türsteher, der angeblich sprechen konnte und aus Fleisch und Knochen zusammengesetzt war. Zerstört wurde er von Thomas von Aquin – der sich von dem Geplapper gestört fühlte.
Golem. Dieser Begriff wird seit dem 12. Jahrhundert verwendet, als die kabbalistische Bewegung, die jüdische Geheimlehre, entstand. Mit der Erschaffung eines Golem, eines Menschen aus Lehm, sollte die göttliche Allmacht herausgefordert werden – widersprechend dem göttlichen Gesetz, das da lautet „Du sollst dir kein Bildnis machen“.
Der Homunculus hingegen wird erschaffen, um einen besseren Menschen herzustellen. Der Homunculus war vor allem ein Ziel der Alchemisten. Sie versuchten Stoffe zu veredeln. Menschliche Körperflüssigkeiten galten als edel. Demnach konnte aus einer Mischung von Urin, Sperma und Blut belebtes Fleisch – ein menschenartiges Geschöpf gewonnen werden.
Automaten sind ein weiteres Motiv der Herstellung künstlicher Menschen. Hier geht es nicht tatsächlich um lebendige Menschen, sondern vielmehr darum, maschinelle Androiden für einen bestimmten Zweck herzustellen. Als sich im 18. Jahrhundert Rationalismus und Materialismus etablierten, erhielt die Automatenbaukunst eine neue Grundlage. Die Mechaniker glaubten, den menschlichen Körper vollständig physikalisch beschreiben zu können – und die Erfinder hatten auch einigen Erfolg vorzuweisen. Allerdings wurde trotz Rationalismus auch hier den Erfindern eine Verbindung mit dem Teufel nachgesagt.
Im 19. Jahrhundert wurde das Thema Grundlage für den ersten Science-Fiction-Roman: „Frankenstein”, von Mary Shelley.

PROMETHEUS
Prometheus hat die Menschen erschaffen aus Ton. Die Göttin Athene hauchte ihnen Leben ein. Manche zählen ihn zu den sieben Titanen, und er hatte drei Brüder. Epimetheus, Atlas und Menoitios. Prometheus war der weiseste seines Stammes, und bei der Geburt Athenes hat er Geburtshelfer gespielt.
Zum Dank dafür lehrte ihn die Göttin Architektur, Astronomie, Mathematik, Navigation, Medizin, Metallurgie und andere Künste. Ein Wissen, das er später den Menschen gab.
Eines Tages brach Streit darüber aus, welcher Teil des Stiers den Göttern geopfert und welcher selber gegessen werden sollte. Prometheus wurde aufgefordert, Schiedsrichter zu sein. Durch eine List betrog er Zeus. Er machte zwei Säcke und stopfte den zerlegten Stier hinein. Der eine Sack enthielt alles Fleisch, doch versteckt im Magen. Im anderen Sack waren die Knochen, versteckt unter einer Schicht Fett. Er bot Zeus an, zu wählen – dieser wählte den Sack mit dem Fett. Zeus strafte Prometheus dafür und hielt den Menschen das Feuer vor. „Lass sie ihr Fleisch roh essen!“
Prometheus wandte sich an Athene und bat sie um Einlaß in den Olymp durch eine rückwärtige Tür. Am feurigen Wagen entzündete er eine Fackel, brach ein Stück glühender Holzkohle ab und warf es auf die Erde. So wurde der Menschheit das Feuer doch noch geschenkt.
Zeus schwor Rache und ließ Pandora, die schönste aller Frauen, schaffen. Er schickte sie Epimetheus, Prometheus Bruder. Der lehnte sie ab. Zeus war wütender denn je und ließ Prometheus nackt an eine Säule in den kaukasischen Bergen ketten. Jeden Tag, jahrein, jahraus, fraß ein Geier von seiner Leber, die in der Nacht wieder nachwuchs.
Epimetheus war über das Schicksal seines Bruders bestürzt. Jetzt erst nahm er Pandora an und heiratete sie. Zeus jedoch hatte sie dumm, böswillig und faul gemacht. Sie öffnete ein Kästchen, das Epimetheus von Prometheus bekam, mit der ausdrücklichen Warnung diese verschlossen zu halten. Alle Übel von denen die Menschheit geplagt wird, hatte der Weise darin versperrt.
Sie entflohen augenblicklich und fielen über die Menschen her. Die trügerische Hoffnung jedoch, die Prometheus auch in das Kästchen gesperrt hatte, hielt die Menschen davon ab, all ihrem Leid durch freiwilligen Tod ein Ende zu setzen.


APOKALYPTISCHE REITER
6,1 Und ich sah, daß das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm!
6,2 (a) Und ich sah, und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft und um zu siegen.
6,3 Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen: Komm.
6,4 Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, daß sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben.
6,5 Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen: Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand.
6,6 Und ich hörte eine Stimme mitten unter den vier Gestalten sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden.
6,7 Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten Gestalt sagen: Komm!
6,8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten (a) mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden.
Neues Testament
Offenbarung des Johannest


MARY SHELLEY
Eltern: William Goodwin – Mary Wollstonecraft. Berühmteste Exponenten des politischen Radikalismus im England um 1800. Mary litt von Anfang an. Der Vater stellte große intellektuelle Anforderungen an sie: Mit zehn Jahren ihr erstes Buch. Verwirrende Familienverhältnisse. Ihre Mutter starb im Kindsbett. Der Vater heiratete noch einmal. Die Stiefmutter brachte zwei Kinder in die Ehe mit. Die seelischen Folgen einer so komplexen familiären Situation waren drastisch. Fanny Imlay war die Tochter aus einer Affäre M. Wollstonecrafts mit dem Amerikaner Gilbert Imlay – sie beging mit 20 Selbstmord.
Das Leben der Söhne verlief verhältnismäßig glatt. Mary brannte mit siebzehn mit dem jungen Dichter Percy Shelley durch, nachdem er zuerst vorgeschlagen hatte, gemeinsam Selbstmord zu begehen. Mary war von ihm schwanger. Ein schwerer Schlag für Godwin, ihren Vater. Er hatte Shelley stark unterstützt. Shelley war jung, politisch radikal, Atheist und bewunderte Godwin maßlos. Der wiederum nahm von Shelley regelmäßig Geld, da er von dem, was er schrieb, immer weniger und weniger leben konnte. Das blieb auch weiter so, obwohl der Kontakt völlig abbrach. Percy Shelley hatte zwei Kinder aus erster Ehe. Er verließ die Frau, sie beging in schwangerem Zustand Selbstmord. Dieses Kind war nicht von Shelley. Shelley und Mary heirateten nur drei Wochen später. Zu dieser Zeit hatte Mary schon zwei Kinder geboren. Eines lebte zwei Wochen, das andere drei Jahre. Zwei weitere Geburten und eine Fehlgeburt folgten, bevor Shelley starb. Mary war von ihrem 17. bis 25. Lebensjahr meistens schwanger. Überlebt hat von den Kindern nur der 1819 geborene Florence Shelley. Er konnte die hochgesteckten Erwartungen seiner Mutter nie erfüllen.
Viel Zeit in der Schweiz und Italien mit Lord Byron. Im Gegensatz zu den Shelleys, die ständig in Geldnot waren, war Byron der bestverdienende Dichter seiner Zeit. Die Beziehung zwischen Shelley und Mary kühlte ab. Er predigte nicht nur eine Theorie der freien Liebe, sondern praktizierte sie auch. Er hatte mehrere Verhältnisse. Mary neigte zu Schwermutsanfällen und hatte ein Verhältnis mit Thomas Hogg. Mary und Percy Shelleys gemeinsames Leben endete 1822 durch den tragischen Tod des Dichters, der bei La Spezia ertrank.
Der Tod Shelleys 1822, war ein tiefer Einschnitt in Marys Leben. Mit 25 war sie Witwe, ohne finanzielle Absicherung. Das Verhältnis zu ihrem Vater wurde wieder freundlicher, der Schwiegervater lehnte weiterhin jeden Umgang mit ihr ab. Mary Shelley vereinsamte immer mehr – 1824 starb in Griechenland Lord Byron.
Mary: „Byron der liebe, launenhafte, faszinierende Byron! Gott gebe, daß ich jung sterbe. Um mich entsteht eine neue Generation und ich bin in der Lage eines alten Menschen – mit 26. Alle Freunde sind dahin, neue kennen zu lernen habe ich nicht den Wunsch“. Der Erfolg von Frankenstein ermöglichte es Mary Shelley, sich mit Schreiben über Wasser zu halten, wenn auch damit nicht reich zu werden.
Sie starb 1851.

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