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SEKUNDÄRINFORMATION
FAHRENDES VOLK
Spätestens seit dem Mittelalter wurden unter dieser Bezeichnung
alle Arten von Schaustellern, ambulanten Gewerbetreibenden, Landstreichern,
Bettlern und Zigeunern zusammengefasst. Spätantike "histriones"
und "mimi" gehörten ebenso dazu wie die Baganten,
Goliarden, Spielleute, Gaukler, Joculatoren und Menestrels des Mittelalters.
Ihr einziges gemeinsames Kennzeichen war die Nichtseßhaftigkeit.
Alle als fahrendes Volk zusammengefassten Gruppen sind nicht oder
nur teilweise gesellschaftlich integriert und werden als solche
diskriminiert.
Fahrende gab und gibt es in der ganzen Welt, im alten China und
Indien ebenso wie in den frühen vorderasiatischen Hochkulturen,
in der antiken Welt, im Europa des Mittelalters und in der Neuzeit.
Einige Tätigkeitsfelder haben sich erst im Lauf der Zeit entwickelt:
Zeitungssänger, Bänkelsänger, wandernde Ärzte
und Vorführer von Abnormitäten, mechanische Puppentheater
und Wachsfiguren. Ihnen allen gemeinsam ist die unmittelbare Abhängigkeit
vom Publikum. Um den Preis ihrer Existenz mussten sie ihm gefallen,
Neues und Abwechslungsreiches bieten. Dies führte dazu, dass
bereits in der Antike Sänger und Tänzer zugleich häufig
auch Akrobaten waren, Schauspieler und Zauberer.
Seit der Antike war eine wichtige Funktion des fahrenden Volkes die
Übermittlung von Nachrichten. Kein Jahrmarkt war ohne Gaukler
und Musikanten denkbar, ebenso wenig wie städtische Messen,
Hochzeiten – aber auch Reichstage und Konzilien. Das fahrende
Volk war unentbehrlich, zugleich aber verachtet und vertrieben,
weil nicht seßhaft, zu keiner Gemeinschaft gehörend.
CHOR
Das Wort bezeichnet ursprünglich eine Gruppe von Tänzern
bzw. den mit Gesang verbundenen Tanz. Der "Chor" ist die
Keimzelle des antiken Dramas, in dessen entwickelten Formen Tragödie,
Satyrspiel und Komödie der Chor und seine Lieder weiterhin
eine bedeutende dramatische und thematische Rolle spielen.
In Tragödie und Satyrspiel besteht der Chor zunächst aus
12, seit Sophokles aus 15 "Choreuten"; in der Komödie
aus 24. Leiter und Sprecher im Dialog mit den Schauspielern ist
der Chorführer, der Platz des Chores ist in der Orchestra,
wo er zwischen den "Epeisodia" seine Chorlieder singt
und tanzt.
Der Chor fungiert als Betrachter und Kommentator des Bühnengeschehens,
an dem er aber zugleich immer, wenn auch in unterschiedlichem Maße,
als Akteur beteiligt ist.
Der Chor im Sprechtheater der Neuzeit spielte eine untergeordnete
Rolle, bis RegisseurInnen wie Ariane Mnouchkine oder Einar Schleef
dem Chor wieder eine wichtige Rolle gaben oder ihn überhaupt
zum Protagonisten machten.
MIGUEL DE CERVANTES
1547 Geburt von Miguel de Cervantes in Alcalá de Henares.
Der Vater ist Wundarzt. 1551, Familie zieht nach Valladolid; kurzer
Gefängnisaufenthalt des Vaters. 1553, Umzug nach Córdoba,
Jesuitenkolleg. 1558, Umzug nach Cabra. 1564, Umzug nach Sevilla.
1566, Umzug nach Madrid. 1568, erste Gedichte, Lobdichtung auf Isabelle
de Valois, die Gattin Philipps II. 1569, Cervantes überraschend
in Rom. 1570, Kammerherr des zukünftigen Kardinals Acquaviva.
1571, Soldat in Diensten von Don Juan de Austria. Sieg über
die Türken in der Seeschlacht von Lepanto. Ein Schuss durch
Cervantes linke Hand macht diese für immer unbrauchbar, daher
sein Beiname "el manco de Lepanto", der Einarmige von
Lepanto. 1575, Gefangenschaft in Algier, bis 1579 vier Fluchtversuche.
1580, Freikauf durch Trinitariermönche, Rückkehr nach
Madrid. 1582, "Die Kerker von Algier" (Schauspiel), 1583
"Numantia" (Tragödie). 1584, Heirat mit Catalina
de Salazar, lebt kurze Zeit in deren Heimatort Esquivias und insgesamt
nur sporadisch mit ihr zusammen. 1585, "Galatea", erster
Teil des Schäferromans; ein zweiter erscheint nie. 1587, Getreide-
und Öleinkäufer für die "Unbesiegbare Armada"
in Sevilla. 1588, Niederlage der "Unbesiegbaren Armada"
im Ärmelkanal. 1592, Anklage wegen Betrugs, dreimonatige Haft
in Castro del Rio. 1594, Steuereintreiber in Andalusien. 1597, Schuldhaft
in Sevilla; wahrscheinlicher Beginn der Arbeit an "Don Quixote".
1599, Sevilla, Madrid, Esquivias, Toledo. 1603 zieht er zur Schwester.
1604, Vollendung des Quixote. 1605, erster Teil des "Quixote"
erscheint - sofort großer Erfolg. 1612, englische Übersetzung
des "Quixote". 1614 erscheinen Cervantes´ "Reise
zum Parnass", sowie die französische Übersetzung
des ersten Teils des "Quixote". 1615 erscheinen der zweite
Teil des "Quixote", "Acht Schauspiele und acht Zwischenspiele",
sowie die französische Übersetzung der "Exemplarischen
Novellen". Vollendung des "Persiles".
Tod des Cervantes am 22. April 1616.
EDWARD GORDON GRAIG
Die Dichtung:
Die Dichtung ist nichts als die Partitur, aus welcher von den nachschaffenden,
ausführenden Intelligenzen die eigentliche Erscheinungsform
des Werkes erst entnommen werden muss. Wenn diese Partitur an und
für sich dem, der sie lesen kann, große Genüsse
bietet, umso besser allein es wird hier, wie in der Musik , immer
nur wenige geben, welche wirklich "Partitur lesen" können.
Es wird das Drama also für die große Menge nur dann das
Erlebnis, welches sie suchen, wenn der Dramatiker vom Schreibtisch
aufsteht, wenn er sich besinnt, dass er mit dem Literaten gar nichts,
mit dem Dichter nur manches gemein hat, und dass er selbst Hand
anlegen muss auf der Schaubühne. Wie der Baumeister auf die
Baustelle gehört, so gehört der Dramatiker ins Theater.
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